31.05.2018

Über das hochheilige Fronleichnamsfest



„Fronleichnam“ ist ein altdeutsches Wort und heißt soviel wie „Leib des Herrn“. Das Fronleichnamsfest ist also ein Fest zu Ehren  des Leibes des Herrn, wie es im heiligsten Altarsakrament zugegen ist.
Die  Erinnerung an die Einsetzung des heiligsten Altarsakramentes wurde zwar von den Zeiten der Apostel an immer am Gründonnerstag gefeiert. Aber am diesem Tage ist die Kirche vorzugsweise mit der Betrachtung des Leidens Jesu beschäftigt und in Trauer versenkt; darum ist in dieser Zeit eine angemessene Feier dieses großen Geheimnisses nicht möglich,. Gott, der sich gewöhnlich schwacher Werkzeuge bedient, um seine Absichten zu erfüllen, offenbarte in der Mitte des dreizehnten Jahrhunderts einer armen Klosterfrau in Lüttich, der heiligen Juliana, dass zur Verherrlichung des heiligsten Altarsakramentes ein eigenes Fest gefeiert werden sollte. Infolgedessen wurde das Fronleichnamsfest im Jahre 1246 im Bistum Lüttich eingeführt, im Jahr 1264 aber von Papst Urban IV. (1261-1264) auf die ganze Kirche ausgedehnt und am ersten Donnerstag nach de Pfingstoktav zu feiern befohlen.
Dieses Fest wird besonders ausgezeichnet durch die feierliche Fronleichnamsprozession. Das Allerheiligste wird mit möglichst großer Feierlichkeit unter Glockengeläute und das Singen von Lobgesängen durch die öffentlichen Straßen getragen, begleitet von der Geistlichkeit im Ornate und dem gläubigen Volke im Festgewand. Wege und Häuser sind in mannigfache Weise geschmückt. In deutschen Landen werden im Freien nach den vier Himmelsrichtungen hin Altäre errichtet, an denen die vier Evangelien gesungen werden und jedes Mal am Schluss der sakramentale Segen erteilt.
Die Prozessionen werden gehalten: 1. Um den Glauben an die wirkliche und wesentliche Gegenwart Jesu im heiligsten Altarsakrament öffentlich zu bekennen; 2. um denjenigen, vor dem alle Knie sich beugen sollen, im Angesicht des Himmels und der Erde Ehrfurcht und Anbetung zu erweisen; 3. um öffentlich Gott Dank zu sagen für die Einsetzung des heiligsten Altarsakramentes und für alle durch dasselbe den Gläubigen zufließenden Gnaden; 4. um die in diesem heiligsten Sakrament Christus zugefügten Unbilden durch feierliche Anbetung einigermaßen gutzumachen; 5. um den Segen Gottes über Land und Leute herabzuflehen.
An den vier Altären werden die vier Evangelien gesungen, um anzudeuten dass die Lehre vom Altarsakrament in den Evangelien begründet ist, und das die Kirche aus diesem Sakrament die Kraft schöpft, das Evangelium in der ganzen Welt auszubreiten und in den einzelnen Christenherzen wirksam zu machen.

Quelle: „Unterricht für das hochheilige Fronleichnamsfest“, in Katholische Handpostille von R. P. Leonhard Goffiné, Verlagsanstalt Benziger & Co. K.G. Einssiedeln. Vermutlich 1896, S. 209ff.

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