04.07.2017

„Mutter des Friedens und des Vaterlandes“ - Hl. Elisabeth von Portugal


Über die heilige Elisabeth von Portugal müsste man ein ganzes Buch schreiben, wollte man alle Züge ihres rührenden, herrlichen Lebens anführen. Wir müssen uns leider nur auf wenige Zeilen beschränken.
Im Jahr 1271 von Peter, dem König von Arragonien, und der Constantia von Sicilien geboren, schien sie schon durch den Namen, den sie in der Taufe erhielt, für den Himmel bestimmt: denn gegen den damals in Spanien allgemein herrschenden Gebrauch, die Prinzessinnen nach ihrer Mutter oder Großmutter zu benennen, wurde sie nach der mütterlichen Tante ihres Vaters (der hl. Elisabeth von Thüringen), Elisabeth genannt.
Im Alter von fünfzehn Jahren heiratete sie den Dionysius, König von Portugal; weit entfernt aber in diesem Mann, wie ihre heilige Patronin dem ihrigen ist, einen zärtlichen, ihrer würdigen Gemahl zu finden, wurde sie von ihm mit Rohheiten überhäuft, und hatte von seiner Untreue vieles zu leiden.
Desto treuer war sie aber allen Pflichten einer christlichen Gattin, und suchte ihren Gemahl durch umso größere Zärtlichkeit und unverwüstliche Geduld von seinen Verirrungen zurückzuführen. „Muss ich denn“, — antwortet sie den Hofdamen, die ihr ihre zu große Nachgiebigkeit vorwarfen — „wegen der Sünden des Königs auch die Geduld aufgeben, und so meine Sünden zu den seinigen fügen? Lieber vertraue ich meine Schmach nur Gott und seine lieben Heiligen an, und suche meines Mannes Herz durch Sanftmut zu erreichen.“ Diese Nachgiebigkeit und Selbstverleugnung trieb sie so weit, dass sie den Sündengenossinnen des Königs freundlich zulächelte, seine natürlichen Kinder mit den ihrigen erzog, und dieselbe Sorgfalt auf ihr Heil und Wohlsein verwandte. Indessen empörte sich, unwillig über seines Vaters Betragen, der älteste ihrer Söhne gegen ihn. Der König wollte in Elisabeth eine Mitschuldige dieser Empörung sehen, raubte ihr alle ihre Güter und ließ sie in eine Festung einsperren. Kaum war sie aus dieser unverdienten Gesellschaft befreit, so strebte sie aus allen Kräften, ihren Mann mit ihren Sohn auszusöhnen. Als alle ihre Mühen fruchtlos blieben, wählte sie den Augenblick, wo beide Heere, in Schlachtordnung aufgestellt, einander angreifen wollten, stieg zu Pferde, warf sich allein, unter einem Hagel von Pfeilen, zwischen die feindlichen Linien, und beschwor sie, inne zu halten.
Weniger unerbittlich als ihre Anführer ließen die Krieger, durch diese heldenmütige Selbstaufopferung gerührt, ihre Waffen fallen, und zwangen so Vater und Sohn zum Frieden.

Einige Zeit nachher gelang es ihr, zwischen zweien ihrer Söhne, die einander grausam befehdeten, und bald darauf zwischen ihrem Bruder, dem König von Arragonien, und ihrem Eidame (Schwiegersohn), dem König von Kastilien, auf den dringenden Antrag der Völker Spaniens, die sie  diesem Fürsten zur Vermittlerin aufnötigten, die Eintracht wieder herzustellen. So verdiente sie von der allgemeinen Kirche den herrlichen Beinamen: Mutter des Friedens und des Vaterlandes (Elisabeth pacis et patriae mater, in coelo triumphas, dona nobis pacem. – Römisches Brevier zur Feier der heiligen Elisabeth von Portugal, 8. Juli.)
Als ihr Mann in eine tödliche Krankheit verfiel, wollte sie die einzige sein, ihm die schwierigsten Dienste zu leisten, und empfing auch seinen letzten Seufzer. Dann legte sie das Kleid der dritten Regel des heiligen Franziskus an, das sie schon lange für den ersten Augenblick ihres Witwenstands in Bereitschaft gehalten; wallfahrte nach St. Jakob von Compostella, für die Ruhe der Seele ihres Mannes zu beten, und brachte hier für ihn die Krone von Edelsteinen, die sie an ihrem Hochzeitstag getragen, zum Opfer dar. Den übrigen Teil ihres Lebens füllte sie mit der Ausübung aller Tugenden aus, bediente täglich dreißig Armen in einem Hospital, das sie neben ihrem Palast zu ehren ihrer heiligen Tante und Patronin hatte erbauen lassen, und eiferte diese in Nächstenliebe, in Strenge gegen sich selbst, und in der pünktlichen Beobachtung des Gottesdienstes nach. Leidenschaftlich liebte sie bei den kirchlichen Andachten Musik, und wohnte daher täglich zwei musikalischen Messen bei, deren erste jedes Mal für ihren verstorbenen Mann gesungen wurde. Ein Jahr vor ihrem Tode wollte sie noch einmal nach Compostella wallfahren, aber zu Fuß, als Bäuerin gekleidet, und auf dem ganzen Weg ihr Brot bettelnd, damit sie unerkannt bliebe und die Verehrung des Volke sie nicht störe. Als endlich im Jahr 1336 ihr Sohn, der König von Portugal, ihrem Onkel, dem König von Kastilien, den Krieg erklärte, beschloss sie, ungeachtet ihres hohen Alters, den Rest ihrer Kräfte an einer siebentägige Reise zu setzen, und eine Aussöhnung zu versuchen. Auch diesen letzten Sieg trug sie davon, die Mühen dieser Reise aber, in der größten Hitze des Sommers, brachten sie an den Rand des Grabes. Da sprach sie am Tag vor ihrem Tod: „Seht, da kommt die heilige Jungfrau in weißem Gewande, und verkündet mir mein Glück!“ Sie starb am 8. Juli. Dreihundert Jahre nachher sprach Urban VIII. sie mit großer Feierlichkeit heilig, und schrieb selbst, ihr zu Ehren, eines der schönsten Offizien der römischen Liturgie. So war denn zweimal, im Himmel und auf Erden, jener süße Name Elisabeth geheiligt, den wir so oft nennen mussten, und immer wieder so gerne aussprachen.
 
Das gotische Hochgrab der hl. Elisabeth von Portugal in Coimbra.
Isabel de Aragón war 1625 heiliggesprochen worden.

Quelle: Graf von Montalembert: „Leben der heiligen Elisabeth von Thüringen und Hessen“ (1207-1231). Deutsch von J. Ph. Städtler. Druck und Verlag von Georg Joseph Manz, Regenburg, 1862.

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