19.05.2017

Einige Beobachtungen zu den Ereignissen nach der Krönung

  

20 Uhr (12.10.1951): Der weite Platz gleicht einem Flammenmeer. Er ist zauberhaft beleuchtet von 50 Scheinwerfern, deren Lichtbündel sich in einer Höhe von 400 m überschneiden, gleichsam eine strahlende Lichtkuppel im Dunkel der Nacht bildend. Hier soll die Lichterprozession stattfinden.

Es folgt die Anbetung der Portugiesen mit einer portugiesischen Ansprache, dann die Anbetung der Übrigen Nationen; die Geheimnisse des heiligen Rosenkranzes werden in spanischer, französischer, englischer, deutscher, chinesischer und russischer Sprache erläutert. Nach der Beendigung der Andacht wurde ein Telegramm des Heiligen Vaters verlesen, in dem die Gewinnung des Jubiläumsablasses für die Pilger erleichtert wurde. Mit tiefer Rührung vernahmen alle dieses Zeichen wahrhaft väterliche Anteilnahme des Papstes.

An den 52 Altären des Heiligtums und in den Kapellen der religiösen Institute des Ortes wurde von Mitternacht an ohne Unterbrechung das heilige Messopfer bis um 13 und 14  Uhr gefeiert.

Sechs Uhr früh (13.10.1951): Es ist heilige Messe mit Generalkommunion der Pilger. 70  Priester sind beschäftigt, um den etwa 100.000 Menschen den Leib des Herrn zu reichen. Dazu kommen noch die Tausende von Kommunionen, die in den religiösen Instituten ausgeteilt wurden und etwa 50.000 Kommunionen während des vorbereitenden Triduums, so dass man die Zahl der Gläubigen, die zum Tisch des Herrn gingen, auf etwa 160.000 schätzen kann.

Inzwischen wurde an einem Altar, gegenüber der Fassade der Kirche, mit aller Pracht des byzantinisch-slawischen Ritus vom russischen Bischof von Heracleopolis, Monsignore Paul Meletlijew, das Pontifikalamt zelebriert, Priester und Theologen des russischen Kollegs in Rom assistierten dabei. Unübertrefflich war die Wirkung des meisterhaft gesungenen Chorals, dessen Klang das Heiligtum erfüllte. Nach dem Pontifikalamt trat der Bischof von Evora an das Mikrophon und rief mit lauter Stimme: „Wir haben soeben das Gebet der russischen Priester vernommen, den Schmerzensruf eines Volkes, das weint über das Unglück seines Vaterlandes. Beten und arbeiten wir für die Bekehrung und Auferstehung Russlands – damit der Triumph des Unbefleckten Herzens Marias beschleunigt werde!“

Zehn Uhr: Die wundertätige Statue der Gottesmutter wird im feierlichen Triumphzug, begleitet von einer Menschenmenge, wie sie die Cova da Iria noch nie gesehen, zum Altar getragen, an dem der Gesandte des Heiligen Vaters, Kardinal-Legat Tedeschini, das Pontifikalamt hält. In seiner Ansprache teilt er der Menge mit, was bisher Geheimnis des Vatikans war: Der Heilige Vater, der Papst Unserer Lieben Frau von Fátima, hat anlässlich der Verkündigung des Dogmas von der leiblichen Aufnahme Marias in den Himmel viermal eine Wiederholung des Sonnenwunders vom 13. Oktober 1917 geschaut. - War es eine Belohnung? . . . Ein Zeichen göttlicher Anerkennung der eben verkündeten Wahrheit? . . . Ein himmlisches Zeugnis, das den Zusammenhang der Wunder von Fátima mit dem Mittelpunkt, dem Haupt der Wahrheit und des katholischen Lehramtes verbürgt? . . . Alle drei Dinge zusammen. Fátima im Vatikan – der Vatikan in Fátima!

Es ist der Mühe Wert, die Worte zu berichten, mit denen Seine Heiligkeit selbst dieses Erlebnis dem Kardinal schriftlich mitteilte:

„Es war am 30. Oktober 1950, am Vorabend des Tages, da die ganze katholische Welt die feierlichen Definition der leiblichen Aufnahme der Allerheiligsten Jungfrau Maria in den Himmel erwartete. Gegen vier Uhr nachmittags machte ich den gewohnten Spaziergang in den Vatikanischen Gärten, wie immer verschiedene amtliche Schriften lesend und studierend. Ich stieg hinauf zum Platz der Madonna von Lourdes gegen den Gipfel des Hügels, in der Allee, die rechts entlang der Einfriedungsmauer läuft. Für eine Moment erhob ich die Augen von den Blättern in meiner Hand. Da fiel mir ein Phänomen auf, das ich bis zur dieser Stunde noch nie gesehen hatte. Die Sonne, die noch genügend hoch stand, erschien wie ein undurchsichtiger, gelblicher Ball, von einem leuchtenden Kreise umgeben; was mich aber in keiner Weise hinderte, die Sonne aufmerksam zu betrachten, ohne dabei die geringste Beschwerde zu empfinden. Eine zarte Wolke lag wie ein Schleier vor der Sonne. Der gelbe Ball bewegte sich an seinem äußeren Rande bald kreisend, bald sich von links nach rechts und umgekehrt verschiebend. Auch das Innere der Kugel – das sah man mit aller Klarheit – war ohne Unterbrechung in stärkster Bewegung. Dasselbe Phänomen wiederholte sich an den folgenden Tagen, am 31. Oktober und am 1. November, dem Tag der Dogmaverkündigung, ebenso am 8. November, dem Oktavtag; seither nie mehr. Ich suchte auch an anderen Tagen und unter denselben atmosphärischen Verhältnissen dieselben auffallenden Phänomene an der Sonne festzustellen, aber vergebens. Ich konnte nicht einmal einen einen Augenblick hinschauen, sogleich war ich geblendet.
Das ist in kurzen und einfachen Worten die reine  Wahrheit.“

Kaum war das Pontifikalamt beendet, erschallte, von den harmonischen Glockenklängen in St. Peter angekündigt, im Heiligtum, das in dieser Stunde Mittelpunkt und Herz der Welt geworden, die bekannte und feste Stimme des Stellvertreters Christi auf Erden:
Papst Pius XII.

„Magnificat anima mea Dominum! Das ist das Wort, das Uns spontan über die Lippen kommt, um die Gefühle auszudrücken, die Unsere Seele in diesem historischen Augenblick der jetzigen Feierlichkeit erfüllen, bei der Wir in der Person Unseres Kardinal-Legaten den Vorsitz führen; bei der Feierlichkeit oder dem grandiosen Hymnus des Dankes, den eure erleuchtete Frömmigkeit zum Herrn emporsenden wollte für den unschätzbaren Segen des Heiligen Jahres der ganzen Welt, auf diesem bevorzugten Berg von Fátima, auserwählt von der jungfräulichen Mutter zum Thron der Erbarmungen und zur Quelle ihrer Gnaden und Wunder.

Ein Jahr ist seit jener feierlichen, heimweherfüllten Stunde vergangen vergangen, in der Wir in der Basilika des Apostelfürsten die Heilige Pforte geschlossen haben. Wir schienen den Engel des Herrn zu sehen, der vor zwölf Monaten von hier ausgehend über die ganze Welt zog, um die Seelen, die guten Willens sind, einzuladen; sie sollten kommen, den Frieden zu suchen und das übernatürliche Leben zu erneuern im Bade des Jubiläums, im Herzen der Ewigen Stadt bereitet.

Heute, wo dasselbe Jubiläum des ganzen Erdkreises vor dem Abschluss steht, wollen wir einen Rückblick halten. Eine andere Vision, nicht weniger tröstlich, zeigt sich Unsrem Geiste: Oh, es ist nicht nur der Engel des Herrn, es ist die Königin der Engel, die auszog in ihren wundertätigen Bildern aus den berühmtesten Heiligtümern der Christenheit und vornehmlich aus diesem Heiligtum von Fátima – hier hat der Himmel zugestimmt, sie als „Königin der Welt“ zu  krönen – und die in einem jubelnden Besuch alle Gebiete ihrer Herrschaft durcheilt. Auf ihren Reisen in Amerika wie in Europa, in Afrika und Indien, in Indonesien und Australien häufen sich die Wunder der Gnade dermaßen, dass Wir nur mit Mühe glauben können, was die Augen sehen. Nicht nur die guten und gehorsamsten Kinder der Kirche, die noch eifriger werden; die verlorenen Söhne sind es, die, besiegt vom Heimweh nach der mütterlichen Liebe, in das Vertrauen zurückkehren. Es sind (wer könnte sich das vorstellen?) in Ländern, wo das Licht des Evangeliums kaum zu leuchten begann, wo viele verstrickt sind in der Finsternis des Irrtums, Menschen, die im Wettstreit mit den Gläubigen Christi ihren Besuch erwarten, sie empfangen und ihr mit Begeisterung zujubeln, sie verehren, sie anrufen und außerordentliche Gnaden erhalten. Unter den mütterlichen Blick der himmlischen Pilgerin gibt es nicht Gegensätze von Nationalität oder Rasse, die trennen, nicht Verschiedenheit von Grenzen, welche scheiden, nicht widerstrebende Interessen, die Zwietracht bringen; alle finden sich in diesem Augenblick glücklich als Brüder. Ein einzigartiges Schauspiel und ein einzigartiger Eindruck, der Uns die schönsten Hoffnungen fassen lässt!

Bei der Verkündigung des Jubiläums haben Wir als eines seiner Ziele den Frieden angegeben, den inneren wie den äußeren Frieden in den Familien, der Gesellschaft und unter den Völkern.

Die Allerseligste Jungfrau, Unsere Herrin, zeigt in ihrer Botschaft, die sie als Pilgerin in der Welt wiederholt, den sicheren Weg des Friedens und die Mittel, ihn vom Himmel zu erhalten, da wir ihn von menschlichen Mitteln so wenig erwarten können.

Wenn sie mit besonderem Nachdruck das Rosenkranzgebet in den Familien einschärft, scheint sie uns zu sagen, dass durch die Nachahmung der Heiligen Familie das Geheimnis des Friedens am häuslichen Herd gefunden wird. Wenn sie ermahnt, besorgt zu sein um den Nächsten wie für die eigenen Interessen, bis zum Gebet und Opfer für sein geistiges und zeitliches Heil, zeigt sie ein Mittel, das wirklich geeignet ist, die Eintracht zwischen den sozialen Klassen wieder herzustellen. Und wenn sie mit mütterlicher Stimme betrübt und eindringlich eine allgemeine und aufrichtige Rückkehr zu einem christlicheren Leben fordert, erinnert sie uns vielleicht nicht daran, dass einzig im Frieden mit Gott und in der Achtung der Gerechtigkeit und des ewigen Gesetzes das Gebäude des Friedens in der Welt fest gegründet ist? Denn, wenn Gott nicht baut, arbeiten die Bauherren umsonst.

Wir fahren fort, mit allen Uns möglichen Mitteln unermüdlich zu arbeiten für das wahre Wohl der ganzen menschlichen Familie und setzen Unsere Hoffnung vor allem auf die mächtigste Fürsprache der Jungfrau, die Wir unaufhörlich anrufen, damit sie sich würdige, die Stunde zu beschleunigen, in der sich von einem Ende der Welt bis zum anderen de Gesang der Engel verwirkliche: ,Ehre sei Gott und Friede den Menschen, die guten Willens sind!' “

Monsignore Fulton Scheen, der angesehene Helfer des Kardinals Spellmann, fasste den tiefen Eindruck  dieses großen Ereignisses folgendermaßen zusammen:

„Der Rote Platz von Moskau hat eine Antwort im Weißen Platz von Fátima gefunden. Der Rote platz ist voll mit Maschinengewehren und Fahnen, die gerötet sind vom Blut der Opfer des Kommunismus. Ihm gegenüber steht der Weiße Platz von Fátima, weiß wie das Bild der Jungfrau und wie die Hunderte und Tausende von Taschentüchern, die in der Luft geschwenkt werden als Huldigung an die Königin des Friedens.

Es wird ein Tag kommen, an dem die tyrannische Macht des Roten Platzes und die geistige Macht des Weißen Platzes einander treffen werden zum Endkampf. Der Kommunismus wird nicht mit Waffen besiegt werden, sondern erobert durch eine Bekehrung. Die Jungfrau des Weißen Platzes in Fátima will nicht den Tod der Kommunisten, sondern dass sie sich bekehren und im Frieden mit Gott leben.“

Quelle:  Maria Spricht zur Welt – Geheimnis und Weltgeschichtliche Sendung Fatimas – L. Gonzaga da Fonseca – Tyrolia-Verlag, Innsbruck, Wien, München

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