13.12.2016

Tagesheilige – 13. Dezember: Hl. Ottilie



Hl. Odilia (Ottilie)

Gründerin, Äbtissin CanAug
Geboren: um 660 im Elsaß, Frankreich
Gestorben: 720 in Niedermünster, Elsaß, Frankreich
Patronin des Elsaß; der Blinden; gegen Augenkrankheiten; gegen Ohren- und Kopfleiden

Den „heiligen Berg des Elsaß“ nennt man den Berg Sainte-Odile, wenige Kilometer südlich von Straßburg. Schon Johann Wolfgang von Goethe schloss sich dem Pilgerstrom an, der sich seit Jahrhunderten bis zum heutigen Tag hier herauf bewegt. Das Grab der Odilia ist immer noch eine der berühmtesten Wallfahrtsstätten in Frankreich. Vor allem Augenkranke und blinde Menschen versprechen sich Heilung durch die Patronin der Augen. Warum trägt Odilia dieses Patronat?
Die Überlieferung berichtet, dass Odilia um das Jahr 660 blind zur Welt kam. Ihr Vater, der elsässische Herzog Athich, wollte seine Tochter deswegen ermorden lasse, um  seiner Familie die „Schande“ zu ersparen. Der Mutter Bethsvinda gelang es, das Kind zu retten; sie übergab es einer Amme im Kloster Baume-les-Dames zur weiteren Erziehung. Nach der Legende soll das Mädchen dann später, im Augenblick der Taufe durch den Bischof, das Augenlicht erlangt haben. Der weitere Lebensbericht Odilias beruht größtenteils auf Legenden. Danach wurde Odilia Jahre später von ihrem Bruder aus dem Kloster geholt und auf die elterliche Burg zurückgebracht. Als der Vater seine Tochter erblickte, schlug er seinen Sohn so schwer, dass dieser tot zu Boden stürtzte. Odilia soll den Jungen daraufhin wieder zum Leben erweckt haben, musste dann aber vor ihrem wütenden Vater fliehen. Auf der Flucht öffnete sich vor Odilia plötzlich ein Felsspalt (in der Nähe von Freiburg i. Br.), in dem sie sich verbergen konnte. Herabstürzende Felsbrocken verwundeten ihren Vater schwer.
Als Odilia den Herzog nach Jahren erneut aufsuchte, hatte der kranke Mann nur noch den Wunsch, sich mit seiner Tochter zu versöhnen. Er schenkte Odilia die Hohenburg bei Straßburg, damit sie dort ein Kloster errichten konnte. Odilia wurde die erste Äbtissin dieser Gründung aus dem Jahr 690, ihr Vater und ihre Mutter lebten beide bis an ihr Lebensende hier im Kloster Odilienberg.
Rund zehn Jahre nach der Gründung des Augustiner-Chrofrauenstiftes oben auf den Berg gründete Odilia am Fuß des Odilienberges ein zweites Kloster, die Frauenabtei Niedermünster. Von dieser Stiftung sind heute nur noch Ruinen vorhanden, nachdem ein verheerendes Feuer die Klostergebäude und die große Abteikirche 1542 vernichtet hat. Von der Kirche stehen noch  Säulen, Türme und das Portal Noch heute fließt Wasser aus der Quelle, der seit Odilias Zeiten Heilkraft bei Augenleiden nachgesagt wird.
Auch über den Tod Odilias gibt es eine Legende: Danach soll die Äbtissin ihren nahenden Tod gespürt und ihre Schwestern zum Gebet in die Kirche geschickt haben. Als die Nonnen zurückkehrten, lag Odilia tot auf den Boden. Auf die innigen Gebete der Schwestern hin erwachte die Äbtissin wieder und sagte zu den weinenden Frauen: „Warum beunruhigt ihr euch? Luzia war bei mir, und ich sah und hörte, was man mit Augen nicht sehen, mit Ohren nicht hören, sondern nur mit dem Herzen wahrnehmen kann.“ Dann ergriff Odilia selbst einen Kelch, nahm die Heilige Kommunion und starb. Das Jahr ihres Todes war wohl 720. Der Kelch Odilias wurde noch lange auf den Odilienberg gezeigt.
Ihre letzte Ruhestätte fand die Klostergründerin und Äbtissin in ihrer Stiftung auf dem Odilienberg. Der Ruhm ihre beiden Klöster drang bald weit über die Grenzen des Elsaß hinaus, und Odilia wurde zu einer der Meistverehrten Heiligen des Mittelalters. Papst Pius VII. ernannte Odilia 1807 zur Patronin des Elsaß.
Kloster Odilienberg im Elsass

Verehrung/Brauchtum: Die Wallfahrt auf dem Odilienberg nimmt weiterhin ständig zu. Lange Zeit gab es dort den Brauch, Pilger aus dem Kelch von Odilia trinken zu lassen; daher rührt auch das manchmal erscheinende Attribut Kelch bei Odilia. Aus Verehrung für Odilia wurden auf zahlreichen Bergen und an vielen Quellen Odilienkapellen errichtet, da man die Orte jeweils für heilkräftig hielt.

Die Pilger von St. Odile
Gustave Brion (1824-1877)
Darstellung: Odilia ist auf den meisten Darstellungen im Zisterzienserinnenordensgewand zu sehen; manchmal trägt sie aber auch das Kleid der Benediktinerinnen oder der Augustinerinnen. Selten nur wurde Odilia in weltlicher Kleidung abgebildet, so auf einem Glasgemälde aus dem 13. Jh. im Straßburger Münster. Das häufigste Attribut von Odilia sind zwei Augen; auch mit Hahn, Kelch, Stab und Buch wurde die Äbtissin dargestellt. Im Straßburger Münster ist ein Wandteppich aus dem 14. Jh. zu sehen, der Szenen aus dem Leben Odilias zeigt. Die Szene wie Odilia ihren Vater durch ihr Gebet aus dem Fegefeuer erlöst, zeigt ein Fresko aus dem 12. Jh. in der Galluskirche in Ladenburg.

Quelle: Heilige und Namenspatrone im Jahreslauf – Schauber-Schindler – Pattloch-Verlag

Die Pilger von St. Odile Gustave Brion (1824-1877) Musée d'Unterlinden, Colmar, Frankreich / Giraudon / The Bridgeman Art Library.

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