01.09.2016

Tagesheilige 1. September: hl. Ägidius


Ägidius (Gilles, Till)
Einsiedler OSB
* 7. Jh. in Athen(?), Griechenland
+ am 1. September 720 in St-Gilles, Frankreich
Patron von Kärnten und der Steiermark; von Nürnberg, Osnabrück, Braunschweig, Toulouse, Graz und Edinbourgh; der Jäger, Hirten, Pferdehändler; der Schiffbrüchigen; der Bogenschützen; der stillenden Mütter; gegen Geisteskrankheit; gegen Unfruchtbarkeit bei Mensch und Tier; gegen Trockenheit, Feuer und Sturm; um Beistand für eine gute Beichte; bei Verlassenheit; Nothelfer

Eine der interessantesten Kirchen Südfrankreichs ist die Abteikirche Saint-Gilles in den gleichnamigen Städtchen am Rande der Camargue, wenige Kilometer westlich von Arles.
Nicht nur wegen der außergewöhnlichen romanischen Fassade des Gotteshauses, sondern auch wegen der Erinnerungen, die sich mit diesem heute verschlafenen Ort verbinden, lohn sich ein Besuch.
Wie ein Märchen möchte man die Geschichte vom Einsiedler Ägidius beginnen: Es war einmal ein Pilger, der aus dem fernen Athen in das Rhönetal kam und sich in der Nähe von Arles tief im Wald als Eremit niederließ. Der Mann hieß griechisch Ägidios, auf Deutsch der Schildhalter, französisch Gilles. Die Legende berichtet, daß Ägidius in seiner Höhle jeden Tag von einer Hirschkuh besucht wurde, die ihm mit ihrer Milch nährte.
Eines Tages wollten die Jäger des Königs das Wild erlegen, doch eine unsichtbare Kraft verhinderte, saß sie sich dem Tier nähern konnten. So ging es mehrer Tage, bis der König selbst mit auf die Jagd ging, um die Hirschkuh zu schießen. Das Tier hatte sich zu Ägidius in die Höhle geflüchtet und lag dort zu seinen Füßen. Der König schoss blind einen Pfeil in die mit Gestrüpp völlig zugewachsene Höhlenöffnung. Als er nachsah, ob er getroffen hatte, fand er Ägidius blutend in seiner Höhle vor, die Hirschkuh unverletzt an ihn geschmiegt. Der Herrscher, der dieses Unglück verschuldet hatte, bot Ägidius ärztlichen Beistand und Geld an. Der Einsiedler aber wollte sich nicht helfen lassen. Er bat den König nur um eines: Er sollte ihm hier in der Einsamkeit ein Kloster bauen lassen.
Der König, froh, seine Schuld wiedergutmachen zu können, erfüllte Ägidius den Herzenswunsch. So entstand hier in der Provence um das Jahr 680 das Kloster Saint-Gilles, das bald eine große Zahl frommer Mönche beherbergte. Ägidius war der erste Abt und leitete das Kloster bis zu seinem friedlichen Tod am 1. September 720. Seine letzte Ruhestätte fand er in der Klosterkirche.
Das Grab des Einsiedlers, das man heute noch besichtigen kann, war im Mittelalter ein berühmter Wallfahrtsort. Saint-Gilles lag an der wichtigen Pilgerstraße nach Santiago de Compostela in Nordwest-Spanien und war einst Sammelstelle für Hunderttausende von Wallfahrern. Die Reliquien von Ägidius, der zu den 14 Nothelfern zählt, werden heute größtenteils in der Basilika Saint-Sermin in Toulouse aufbewahrt, dem größten romanischen Bauwerk Frankreichs.

Verehrung/Brauchtum: Die Verehrung für Ägidius war vor allem im Mittelalter überaus groß, nicht nur in Frankreich, sondern auch im gesamten deutschen Sprachraum. Von diesem Kult zeugen bis heute zahlreiche Ortsnamen wie Gillenberg, Gillersheim, Gilden Gillersdorf, St. Gilgen, St. Ilgen, Ilgesheim oder St. Ägyd. Zu vielen dieser Orte existierten besonders im Mittelalter berühmte Wallfahrten, die Tausende von Gläubigen anzogen. An einigen Orten gibt es die Ägidius-Wallfahrten bis zum heutigen Tag; sie werden besonders von Bauern und Jäger besucht. Einer dieser noch existierenden Wallfahrtsorte ist Schildthurn im bayerischen Passau.

Auch einen Ägidius-Brauch gibt es: Manche Bauern mischen ihrem Vieh am Ägidius-Tag geweihten Fenchel unter das Futter.

In Pestzeiten verehrten die Gläubigen Ägidius auch als Pestpatron, man bat ihn um persönlichen Schutz vor der Krankheit und um das Ende der Epidemie.

Der 1969 reformierte römische Kalender führt Ägidius nicht mehr auf.

Darstellung: Ägidius ist als Einsiedler in einer Höhle, meist mit einer Hirschkuh, dargestellt; oft hat er ein Pfeil in der Brust, manchmal ist auch die Hirschkuh vom Pfeil getroffen. Bekleidet ist Ägidius fast immer mit dem Benediktinergewand des Abtes, auch Abtattribute (Buch, Stab) hat er auf Abbildungen manchmal bei sich. Eine der ältesten Darstellungen findet sich in der Unterkirche von S. Clemente in Rom: Ein Fresko aus dem 11. Jh. Mit Buch und Pfeil in der Brust, die Hirschkuh neben ihm, zeigt eine Altarfigur im Wallraf-Richartz-Musem in Köln den Einsiedler. Auch zusammen mit anderen Nothelfern oder mit bekannten Einsiedlern wurde Ägidius dargestellt.

Quelle: Heilige und Namenspatrone im Jahreslauf – Schauber . Schindler – Pattloch-Verlag

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