12.05.2016

Warum Sklave Mariens sein ...

... die ja eine Sklavin Gottes ist?

Warum soll man anstatt Unseres Herrn Jesus Christus ein Sklave Mariens sein, fragt der hl. Ludwig, da ja Maria auch Sklavin ist? Sagt sie nicht von sich selbst „ecce ancilla Domini“? Wenn Maria Sklavin ist, darf sie Sklaven haben? Welchen Sinn hat das?

Der hl. Ludwig bezieht sich auf die mystischen Beziehungen Mariens zu Jesus und, ohne den Satz des hl. Paulus „So lebe nun nicht mehr ich, es lebt in mir Christus“ (Gal. 2, 20) zu erwähnen, weist er darauf hin, dass Jesus Christus in jenem Menschen lebt, der sich auf den Weg der Heiligung befindet. Wenn der Stand der Heiligkeit erreicht ist, dann lebt jener nicht mehr, sondern Christus in ihm.

Da nun Maria vollkommen heilig ist, so lebt auch Christus vollkommen in ihr. Wollte man eine Trennung zwischen Maria und Jesus herstellen, als ob es möglich wäre, sie zu lieben ohne Jesus zu lieben oder sie zu verehren ohne zugleich Jesus zu verehren, käme die einem Versuch gleich, in einer Flamme die Wärme vom Licht zu trennen. Es sind Elemente, die man unterscheiden aber nicht trennen kann. Mit dem Gleichnis möchte ich das Thema ein wenig deutlicher machen. Wie die Legende oder auch die Geschichte erzählt wurden die Paare Karls des Großen ausgebildet, um ihm eine Stütze für ein großes Werk zum Schutze der Kirche und der Gründung eines christlichen Imperiums zu sein. Karl bildete sie zum Kampf und zum Krieg heran, so dass sie seinen Rittergeist, seine Ideen und seine Prinzipien in sich aufnahmen, um sie in ihrem eigenen Leben anzuwenden.

Sie sind die Abbilder des Kaisers, durch die wir uns besser in die Kenntnis des Werkes, der Mentalität und des Lebens Karls des Großen vertiefen können. Würden wir über ihn keine historischen Unterlagen besitzen, könnten wir uns anhand der Geschichte seiner Paare eine Vorstellung von ihm machen.

Das Gleiche geschieht mit den Heiligen in Bezug auf Jesus Christus. Sie sind alter Christus, üben die Tugenden heldenhaft aus und ahmen Unseren Herrn nach. Noch vielmehr stimmt das im Falle Mariens, denn sie ist ja in ganzer Fülle alter Christus. Die Anrufung aus der Lauretanischen Litanei speculum justitiae, Spiegel, Spiegel der Gerechtigkeit, ist in diesem Sinne sehr bedeutungsvoll, weil ein Spiegel das Objekt in unübertrefflicher Genauigkeit wiedergibt.

Wenn wir Maria, den „Spiegel der Gerechtigkeit“, lieben, bewundern und verehren wir die Gerechtigkeit selbst, d.h. Unseren Herrn Jesus Christus.

Warum sollen wir vorzüglich Sklaven Mariens sein? Der hl. Ludwig gibt uns dazu ein Gleichnis: In einem Königreich sind alle Untertanen in gewisser Hinsicht Sklaven des Königs, aber einige stehen im Dienst der Königin: über diese besitzt sie besondere Rechte.

So ist es auch in der katholischen Kirche und im Universum. Da alle Menschen Sklaven Gottes von Natur aus sind, ist es möglich, dass einige sich Maria anbieten, ihre Sklaven zu sein, um ihr besonders zu dienen, zu rühmen und für sie zu kämpfen. Dies sind die  Berufenen zu einer besonderen Andacht zu ihr, so wie sie im Goldenen Buch empfohlen ist.

Quelle: Wahre Andacht zur Muttergottes – Ein Licht in den Wirren unserer Zeit – Plinio Corrêa de Oliveira – Hrsg.: Aktion „Deutschland braucht Mariens Hilfe“ - DVCK e.V.,  Frankfurt.

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